
"BLACK NIGHT CRASH - INTERVIEW"
Gespräch mit Black Night Crash zu ihrer Geschichte und ihrem Debüt-Album „The Late Reply“, mit Schlagzeugerin Pamela Neff, und den beiden Gitarristen Ralf Brummerloh und Carsten Bruening. Es fehlte Bassist Ilja Littau.
Wann und wie ist Black Night Crash entstanden?
Ralf: Mit der Band ging es 2005 los. Pamela kannte ich damals noch gar nicht. Carsten kenne ich seit dem Kindergarten und mit Ilja habe ich vorher in einer anderen Band gespielt. Dann habe ich - auf den Rat meines Bruders, der sie aus Mainz kannte - Pamela angerufen. Anschließend Ilja und Carsten gefragt. Die haben ja gesagt, und dann haben wir angefangen zu proben.
Habt ihr alle vorher schon in Bands gespielt?
Pamela: Ich hab als Teenie in einer Band gespielt und wir haben überwiegend Sixties-Sachen gecovert. Das war noch im Schwarzwald, wo ich herkomme. Dann habe ich in Wiesbaden in einer Band gespielt. Die nächste Station war dann hier in Bremen - das Beste bisher! Ach ja, vorher habe ich in Bremen bei Teenage Music International getrommelt. Das mache ich aber inzwischen nicht mehr.
Carsten: Ich habe ziemlich spät mit der Musik angefangen, erst als ich 18 war. Hab erst einmal Unterricht genommen, bin dann aber in den Beruf als Veranstaltungstechniker gegangen, dadurch ist die Berührung mit der Musik natürlich auch gewachsen.
Warst du erst Techniker und hast dann Musik gemacht oder umgekehrt?
Carsten: Der Weg war - erst die Musik, dann ist der Beruf als Veranstaltungstechniker dazu gekommen, aus Begeisterung für die Musik.
Ihr habt alle Berufe oder studiert. Also ist Black Night Crash erst einmal ein Hobby?
Einhelliges Ja von allen Dreien.
Würdet ihr euch im Erfolgsfall ganz darauf konzentrieren?
Ralf: Ich auf jeden Fall.
Pamela: Ich auch.
Carsten: Gilt auch für mich. Aber uns ist auch allen klar, wie schwierig die Zeiten für Musiker geworden ist.
Euer bisher größter Erfolg war sicherlich der Sieg bei „Live in Bremen“.
Carsten: Ja, das war auch gleichzeitig das größte Konzert, das wir je gespielt haben.
Hat der Sieg etwas gebracht? Habt ihr dadurch Gigs bekommen?
Ralf: Hey - wir durften anschliessend bei Radio Bremen im legendären „Beatclub“ drei Songs spielen. Irgendwo gibt es auch noch ein legendäres Foto - wir und Uschi Nerke ...
Pamela: Ja und durch den Sieg haben wir dann auch noch einen Auftritt in Liverpool bekommen beim „Mathew Street Festival.“ Aber es kamen nach dem Gewinn auch Anfragen zu Konzerten.

War die CD-Produktion auch Teil eures Gewinns beim Contest?
Carsten: Ja - das gehört dazu, das war Teil des Gewinns.
Pamela: Wobei wir ganz frei entscheiden konnten, wo wir aufnehmen wollten und mit wem. Der Wettbewerb gibt das Geld und wir dürfen machen. Es gibt also überhaupt keine Vorgaben.
Noch mal zu Liverpool. Hat euch das etwas gebracht?
Ralf: Die Bedingungen waren gut. Das Publikum war phantastisch. Wir haben auch vereinzelte Reaktionen auf unsere Musik bekommen. Nach einem Konzert kommen ja immer ein paar Leute aus dem Publikum und sagen: „Hey, great show!“
Carsten: Ich hab es schon so empfunden, dass die Leute tatsächlich begeistert waren. Wenn man ins Publikum geschaut hat, waren das doch eindeutige Reaktionen der Freude…
Ralf: …stimmt, da haben sogar einige mitgesungen, obwohl sie die Stücke nicht kannten. Na ja, vielleicht hatten sie sich die ja schon bei I-Tunes herunter geladen, oder den Engländern geht das leichter von den Lippen mit den englischen Texten …
Carsten: Man muss sich das in Liverpool so vorstellen - das ist nicht ein Fest wie hier bei den Stadtfesten, wo es vorwiegend ums Saufen geht. In Liverpool ist ein großes Straßenfest, bei dem überall in der Stadt Bühnen aufgebaut sind. Und in der Stadt hat man irgendwie noch eine richtige Rock’n’Roll-Kultur. Die Musik interessiert die Leute doch mehr. Das merkt man dem Publikum an.
Es ist überraschend, dass sich eine junge Band einem Sound der siebziger und teilweise auch der späten sechziger Jahre verpflichtet fühlt. Wie kommt das?
Carsten: Mich überrascht das gar nicht. Ich finde es auch nicht besonders ungewöhnlich, denn eigentlich passiert das an allen Ecken und Kanten. Das machen ja diverse Bands…
Ralf: …hauptsächlich aus Skandinavien, gar nicht so sehr aus Deutschland. Aber irgendwie ist es gerade Trend oder Zeitgeist oder so was. Wir sind jetzt in Deutschland eher mit die Ersten ...
Bei denen Skandinaviern es aber so, dass sie mehr oder minder einen Beatles-Sound imitieren. Das macht ihr aber nicht, bei euch klingt es nach The Who, nach Kinks und so weiter.
Pamela: Ich glaube zu wissen, woran das liegt, gerade weil ich so ein bisschen außen stehend bin, da ich keine Songs schreibe. Ich glaube, es liegt an der Art und Weise wie die Jungs zum Gitarrenspielen gekommen sind. Wenn ich mir überlege, was Ralf für Musik hört, dann ist das eher die ältere Schiene. Ich glaube, dass sich das im Gitarrenspiel und in der Weise, wie man Musik erfindet, widerspiegelt. Bei Carsten weiß ich es nicht so genau, aber Ilja hört auch sehr viele alte Sachen.
Und du?
Pamela: Ich bin eigentlich eher so ein Indie-Mädchen, aber beim Schlagzeug fälltdas nicht so auf. Ich muss auch sagen, am Anfang war das, was wir machen, überhaupt nicht meine Musikrichtung, aber inzwischen schon. Ich hab mich ein bisschen eingefunden in diesen Stil. Ich kannte auch die ganzen Bands nicht. Wenn die Rede von Led Zeppelin war, hat mir das überhaupt nichts gesagt. Ich kannte nur Bands aus den neunziger Jahren, vielleicht noch aus den Achtzigern. Na ja, die Beatles schon, aber die ganzen frühen Gitarrenbands nicht: Also MC5 und so. Jetzt kenne ich sie aber und weiß das auch zu schätzen.
Carsten: Es muss wohl an dem liegen, was man hört. Ich komme ursprünglich auch eher aus der Indie-Fraktion. Das kam durch den Gitarrenunterricht. Bei Black Night Crash sind ja schon sehr starke Bluesanleihen zu finden. So etwas habe ich nie im Unterricht gespielt. Ich hab mir das dann bei Ralf abgeguckt. Im Gitarrenunterricht habe ich eher Rage against the machine, Radiohead, The Verve gespielt. Also ich komme eigentlich auch aus der Indie-Ecke.
Hattest du denn auch Annäherungsprobleme wie Pamela?
Carsten: Ja. Es war tatsächlich so, dass ich anfänglich viele Sachen gar nicht begriffen habe. Der Song „Looking at the moon“ zum Beispiel. Der Song ist eigentlich uralt, und ich habe den anfangs überhaupt nicht verstanden. Dann haben wir ihn lange nicht gespielt. Als wir jetzt im Studio waren, hat Ralf gesagt, den Song müssen wir eigentlich noch mal machen. Und plötzlich hatte ich einen ganz anderen Zugang zu dem Stück. Bei „Sonnet“ ist es so ähnlich.
Das ist der Song mit der Gershwin-Paraphrase?
Ralf: Jaaa.
Ihr spielt vier Jahre zusammen. Hat sich stilistisch etwas verändert?
Carsten: Es hat sich auf jeden Fall etwas verändert. Die Songs werden mittlerweile anders geschrieben. Das hängt natürlich auch damit zusammen, dass wir uns besser kennen, aber es kommen auch ganz andere Ideen.
Ihr habt die komplette Produktion selbst gemacht?
Ralf: Also, wir waren natürlich selber im Studio, nicht irgendwelche Studiomusiker, die das für uns eingespielt haben, wie das ja für die ganzen Glammer-Popsachen üblich ist. Wir haben es nicht selber gemastert und auch nicht selbst gemischt. Aber die ganze Produktion ist auf unserem Mist gewachsen.
Carsten: Wir wollten eben so einen bestimmten Sound haben, der absolut nach „analog“ klingt und haben dafür im Studio unheimlich rumgetüfftelt.
Ralf: Ist alles auf alten Röhrenverstärkern eingespielt und die Mischung dann auch am Ende durch ein altes „Schnürsenckel“-Tonbandgerät gejagt.
Carsten: Natürlich hatten wir auch Hilfe von außen, aber entscheiden mussten wir schon selber, wie es dann sein soll.
Also keinen Produzenten, der euch reingeredet hat?
Ralf: Dennis Rux, der Produzent und Gitarrist der Trashmonkeys, der uns aufgenommen hat, hat uns natürlich schon ein paar Tipps gegeben.
Pamela: Aber im Großen und Ganzen hat sich nicht viel an den Songs geändert, im Vergleich, wie wir sie live bringen. Die Platte wird jetzt bei dem Bremer Online-Label ‘Fuego‘ (www.fuego.de) erscheinen, das von Friedel Muders betrieben wird.
Also ein Label ohne CD-Vertrieb.
Pamela: Nein - unser Album gibt es auch als CD über Rough Trade. Friedel hat da auch immer spezielle Deals, die dann auch eine physische Veröffentlichung einschließen können.
Carsten: Für uns macht Friedel schon so ziemlich alles ...
Pamela: Und er ist außerdem auch Grafiker und hat auch unser Cover kreiert und kümmert sich um die Webseite und das Marketing.
Carsten: Er hat auch die Cover der Guano Apes, Oomph, oder Such A Surge gemacht. Unser Cover ist natürlich etwas schlichter, weil der Etat am Ende doch begrenzt war, aber die Attitüde des Coverstyles gibt schon voll unsere Musik wieder.
Habt ihr eigentlich das das komplette Preisgeld in die Produktion gesteckt?
Pamela: Ja, hauptsächlich in die Produktion. Am Ende wird es wohl zu 90 Prozent dafür sein.
Ralf: Wir durften das Geld für alles was wir brauchten, um Musik zu machen, ausgeben.
Carsten: Also, es sollte auf jeden Fall zweckgebunden sein.
Als ich euch live gehört, habe, ward ihr erheblich rockiger. Eure CD erscheint nun viel verspielter.
Ralf: Das liegt vielleicht auch daran, dass man im Studio auch mal vier Gitarren einspielen kann, nicht nur zwei. Oder wie bei „Gone with the geese“ die Gitarre rückwärts aufnehmen kann - live geht das nicht.
Live seid ihr aber härter?
Ralf: Aber das ist ja bei fast jeder Band so: Live rotzen die rum, und die Platten sind nicht so wie das Konzert.
Seid ihr von dem Resultat überzeugt?
Carsten: Das ist eine unglaublich schwierig zu beantwortende Frage…
Ralf: …wir müssen da natürlich ja sagen, sonst will keiner die Platte haben: Ja! Geilste Platte des Jahres!
Pamela: Ich hab das früher immer nur in Interviews gelesen, dass Bands dann sagen: Jaah, eigentlich klingt die Platte jetzt doch nicht so, wie wir uns das gedacht haben. Ich glaube, das ist eigentlich immer so.
Carsten: Ich hab in Interviews immer nur gelesen: Das ist unser bestes Album.
Ralf: Erst wenn wieder die neue Platte heraus gekommen ist, heißt es, das die davor doch nicht ganz so geworden ist.
Pamela: Ja, stimmt. Für die Mittel und die Erfahrungen, die wir hatten, ist es auf jeden Fall großartig geworden, es ist schließlich unser Debüt. Ich freu mich drauf, dass die Öffentlichkeit das endlich zur Kenntnis nehmen kann.
Ralf: So eine Platte ist immer auch ein Zeitdokument. Es hält eben auch einen Abschnitt der Bandgeschichte fest. Und man darf auch nicht unterschätzen, was wir bei diesem, unserem ersten Album, gelernt und an Erfahrung gemacht haben. Ich denke, dass wir in Deutschland mit dem Sound im Moment echte Trendsetter sind ...
Carsten: ... Ja, unser Mixer Timo Hollmann kriegt das bei Konzertveranstaltungen immer mit. Für junge Menschen ist unser Sound was völlig Neues und das ist für die ne Entdeckung. Er spielt manchmal unsere Aufnahmen vor den Konzerten und die kommen echt fragen, wer oder was das ist.
Ralf: Beim Mastern waren wir bei so einem alten Heroen, der schon Heintje und die ganzen alten Schlager aufgenommen hat. Der hatte die ganze technische Entwicklung mitgemacht. Von dem haben wir heftige und ganz andere Sichtweisen gehört über analog und digital Recording. Das war auch ein interessanter Aspekt. Und man nimmt das auf und macht sich für zukünftige Produktionen seine Gedanken darüber. Also, ich möchte die Erfahrungen, die wir jetzt mit unserem ersten Album gemacht haben, nicht missen ...
Ralf, du hast mal gesagt, die Lautsstärke macht das dreckige in der Musik aus.
Ralf: Die Lautstärke auf jeden Fall. So ein Verstärker klingt ja ganz anders, wenn man ihn voll aufdreht.
Na, aber wenn ich mir Klassik richtig laut anhöre, hört sie sich doch nicht schmutzig an.
Ralf: Nee, die verwenden ja auch keine Röhrenverstärker und E-Gitarren. Die bleibt natürlich so, aber das, was in deinem HiFi-Verstärker passiert, ist zwar ähnlich, aber es ist irgendwie noch mal was anderes. Obwohl, nee, auch wenn du deinen Hifi-Verstärker richtig aufdrehst, dann verzerrt der irgendwann.
Höre ich das richtig raus, es ist das verzerren?
Ralf: Ach, ich rede wahrscheinlich gerade Müll. Aber ich meine auch schon mal HiFi-Verstärker verzerren gehört zu haben.
Pamela: Ist das dann nicht einfach ein übersteuern?
Also ein bisschen verzerrt, ein bisschen übersteuert und was meinst du Carsten?
Carsten: Etwas crunshig, etwas knarzig. Ja, nicht alles ganz sauber, nicht alles genau auf den Punkt gespielt. Der eine ist mal etwas vor, der andere mal etwas zurück.
Ralf: Liebevoll dahingeschlurt.
Pamela: (Lacht)
Carsten: Ja! Im Prinzip ist es das.
Aber auch das Dahinschluren muss man ja können, oder nicht?
Ralf: Ich glaub das kommt von selber. Wenn man sich drauf einlässt.
Oder ist das etwas ein Zeichen von mangelnder Qualität?
Carsten: (entschlossen) Nö! Bei Gitarrenverstärkern ist das schon Absicht. Es geht darum, dass es mal crunshed, mal zerrt. Ralf du kennst dich da besser aus, wer hat dieses übersteuern im Prinzip erfunden?
Ralf: Hendrix, Clapton
Carsten: Die waren dafür früher ja verpönt. Tontechniker haben damals in den Studios gesagt „Seid ihr nicht ganz dicht oder was“. Und die Musiker haben gesagt, nee, dass muss so. Das war im Prinzip ja ein komplett neuer Sound. Und es ist ja so geblieben. Es gibt zwar Veränderungen, aber da kommt es her.
Ralf: Was meiner Meinung nach besonders wichtig ist, ist eine gute Portion Blues. Das fehlt mir bei vielen neuen Bands.

Das hast du doch schon mal in einem Interview gesagt.
Ralf: Ja, das sage ich immer wieder. Das ist mein Standard ausgedachter Satz. Es ist wirklich dass, was ich bei vielen Bands vermisse. Wenn du dir alte Bands anhörst oder welche die so Retro-mäßig unterwegs sind, wie Mando Diao, Hellacopters, Selig, die haben immer ein Blues-Feeling dabei. Hör dir alte Bands an, wie Cream, The Who oder Hendrix. Die hatten es auch dabei. Es klingt bei anderen halt immer eine Spur sauberer.
Ihr sagt immer, eure Musik sei dreckig. Ist das auf der CD noch so?
Carsten: Zu dem Schmutz und dem Dreck gehört ja auch immer die Lautstärke. Aber die Attitüde ist zu erkennen.
Pamela: Es ist auf jeden Fall zu hören, dass nichts zurecht gerückt wurde. Sondern es ist so wie wir es aufgenommen haben ...
Ralf: Das Album ist schon etwas anderes. Zu Hause hast du einfach nicht den „Club-Schweiss“ und die Verzerrungen (lacht) vom Amp von der Bühne. Deshalb sind ja auch einige Songs deutlich anders produziert, um da noch mal eine andere Dimension reinzubringen. Aber es ist unverkennbar unser Bandsound und es ist unverkennbar Black Night Crash.
Das Interview führten: Christian Emigholz & Pascal Faltermann
Interview zum Nachdruck (auch auszugsweise) frei gegeben" (© Creative Commens) |